Mein Tag im Studio

Ich möchte euch heute erzählen, wie es für mich im Studio ist.
Wie so ein Termin technisch abläuft könnt ihr hier nachlesen.

Beginnen tut für mich ein Synchronjob mit einem Anruf der Aufnahmeleitung und der Anfrage für das Projekt. Dabei erfahre ich dann meist was für eine Produktion es ist (Film oder Serie), die ungefähre Größe meiner Rolle, oft schon den Titel und manchmal den Regisseur.
Mehr Vorbereitung und Einstimmung gibt es nicht. In wenigen Ausnahmefällen, wenn es große Werke waren wie „Narnia“, durfte ich mir die Filme vorher im Original anschauen. Ist aber sehr selten.

An meinem Termin fahr ich dann also ins Studio. Zur Vorbereitung mach ich immer ein paar Sprachübungen zum warm werden und lockern. Entweder noch zu Hause, im Auto oder manchmal auch in der S-Bahn 😉

Als ich mit Synchron angefangen habe hat mir mein lieber Kollege Ekki Belle mal gesagt: „Eine viertel Stunde vor der Zeit ist des Sprechers Pünktlichkeit“. Daran halte ich mich auch fast immer (ab und zu macht mir die Bahn da nen Strich durch die Rechnung). So hab ich genug Zeit in Ruhe anzukommen, evtl. kurz mit Kollegen zu plaudern oder einen Blick auf die Dispo und ins Buch zu werfen.

Im Studio begrüße ich dann erst mal mein Team für die bevorstehende Produktion. Der Regisseur gibt mir dann einen Überblick über die Handlung und meine Rolle. Nur bei Serien, die ich schon länger spreche ist das nicht notwendig. Dann geht´s vor´s Mikro.

Auch hier habe ich meine Dispo vor mir und das Synchron-Buch mit allen deutschen Texten.

Studio

Synchronarbeiten zu 90210

Und los geht´s 🙂

Bevor ich den Take im Original sehe lese ich mir den Text schon mal durch. Bei Schauen achte ich besonders auf den Ausdruck, den Rhythmus und die Zäsuren meiner Schauspielerin. Für mich ist ein Take wie ein musikalischer Bogen, wenn ich den richtig erfasse, dann kann ich auch leicht die deutsche Sprache „drauf legen“.
Synchron ist immer ein bisschen schummeln und wer am besten schummeln kann gewinnt. 😀

Wenn ich Glück hab, dann passt alles, aber gerade am Anfang einer Produktion brauchen wir schon ein bisschen bis wir den passenden Duktus für die Rolle gefunden haben. Natürlich liegt man auch mal beim ersten Mal schon perfekt drauf, aber das sollte man sich nie zum Stress machen. Ausdruck, technische Sauberkeit und Timing sind alle wichtig und dabei bekomm ich im Studio auch 3fach Unterstützung.

Wie bei allen künstlerischen Berufen (die man nicht allein ausüben kann) ist das Team sehr wichtig.
Die Synchronbranche in München ist recht überschaubar und da kennt man eigentlich fast jeden. Gut, den „Nachwuchs“ kenn ich nicht so gut, weil man einfach nicht mehr soviel gemeinsam im Studio ist, aber Regie, Tonmeister & Cutterinnen kenne ich eigentlich alle. Das tolle ist, dass es eigentlich niemanden gibt, mit dem ich nicht gerne arbeite. Das schätze ich sehr.

Wenn man für einen längeren Termin gebucht ist, dann kommt man ganz oft um den sogenannten „Schicksalstake“ nicht rum. Das ist der eine Take, über den man immer wieder stolpert, der einem nicht in den Mund will, bei dem man sich immer verspricht. Und das muss manchmal gar nix kompliziertes sein. Trotzdem braucht man 6, 7, 8 oder mehr Aufnahmen, bis das Ding im Kasten ist. Und je einfacher der Text eigentlich ist, desto mehr fuchst einen sowas natürlich. 😀

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4 Kommentare zu “Mein Tag im Studio

  1. martinakunze sagt:

    Liebe Marieke,
    alles spannend zu lesen. 🙂 Ein schönes Bild: ein Take ist wie ein „muskalischer Bogen“. Alles klingt nach einer Menge Einfühlarbeit. Jetzt würde ich gern eine Frage stellen dürfen. Die deutschen Texte, die ihr stimmlich auf das Original legt, sind sie in der Regel 1:1 Übersetzungen oder entfernt man sich im Deutschen vom Original ? Im Englisch ist doch eine Satzaussage häufig kürzer.
    Wer schreibt die Text-Übersetzung?
    Das sind jetzt zwei Fragen.

    LG
    Martina

    • marieke2012 sagt:

      Liebe Martina!

      Der Job des Synchronautors ist mit einer der schwierigsten. Nicht nur, dass die deutsche Sprache, wie du richtig erwähnst, oft mehr Worte braucht als z.B. die englische. Da kann der Sprecher auch nicht einfach schneller sprechen, denn auch das Sprechtempo sieht man an der Mimik und der Bewegung des Mundes. Da muss eine Entscheidung getroffen werden, was die wesentliche Aussage des Textes ist. Und manchmal muss man dichten oder umstellen damit es passt. Das ganze muss dann auch noch auf die Lippenbewegung passen. Wenn also der Mund zu geht, dann darf da kein A im Text stehen (oder umgekehrt). Ist oft gar nicht so einfach.

      • marieke2012 sagt:

        Um die 2. Frage noch konkreter zu beantworten:
        Bei den großen Produktionen (und früher generell) gibt es eine Rohübersetzung, bevor dann der Synchronautor die eigentlichen Bücher daraus formt.

      • martinakunze sagt:

        Oh, so schnell eine Antwort. Danke dir.
        Fand gerade einen weiteren Beitrag von dir, auch höchst spannend zu lesen. Darin verweist du auf spezielle Autoren. Dort wurde ein Teil meiner Fragen beantwortet. .

        Es ist wirklich überaus interessant,darin mal einen näheren Einblick gewährt zu bekommen. Tolle Idee von dir! Danke.

        Ein Aufwand, den man sich als Rezipient gar nicht klar macht Es klingt durchaus nach einem: „Ist oft gar nicht so einfach.“ .Ja eben, die Lippenbewegungen. Synchronisiert wird – so weit mir bekannt – auch nicht in allen Ländern. In Südafrika saß ich einst in einem indischen Film mit englischem Untertitel. Traf dort auch auf Mira Nair – diese Frau wünschte ich dir als Regisseurin – eine toooooolllle Frau, Inderin, machte bei einem Workshop bei ihr mit. Sie wurde mit dem Film Salam Bombay und Kamasutra bekannt. Irgendwann auch mal in Cannes ausgezeichnet

        P.S.: Ich traf heute auf einen weiteren Schauspieler (Wellness, ich schaukelte in einer „Hollywood-Schaukel“ – so heißen sie nun einmal – nah des Wasserfalls unter hohen Bäumen und blickte gedankenvoll aus meinem Buch hoch, meine Augen fielen in einen extrem sportlich gebauten Männeroberkörper. Es plobbte aus meinem Mund:“Sie machen Bodybuilding“ …kam mir so heraus… war halt exakt in Augenhöhe. Wohlgeformt, nicht Popeye, durchtrainiert“. Verdammt gutaussehender Mann stellte ich fest, als ich dann zwei Sekunden später in sein Gesicht sah..hahahaha.:)..Daraus entstand ein freundliches kurzes Gespräch. Er sei Schauspieler. Dimita Dimitrow -mit w am Ende, meinte er. Theater, deutsche Fernsehserien, Krimis. Seine Rollen seien begrenzt wegen seines Akzentes. Spricht perfekt Deutsch, aber den Akzent bekäme er nicht weg. Erwähnte nur kurz Synchronarbeit..(hihi.), Auch da sei es für ihn schwierig..

        Die Cutterin sitzt auch gleich mit daneben?
        Na, diese Dame muss aber sehr hochkonzentriert hinsehen. Vermutlich wollen Männer diese Tätigkeit nicht, weil sie zumeist im Dunkeln sitzen.
        Eine ferne Bekannte cuttet sich durch die Welt, zumeist in Köln, aber bei Serien reist sie auch schon mal mit auf die Insel, wenn schnell ge-cuttet werden muss.
        Gute Nacht

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